Was sind unsere Unverrückbaren Werte?

Ohne das wir diese Frage beantworten, können wir uns als Gesellschaft nicht optimal in Richtung Freiheit bewegen. Gibt es überhaupt Werte, die für jeden Menschen gelten können?

Wie wollen wir leben? Leben wir jetzt in diesem Augenblick, als Individuum, als Gruppe und als Gemeinschaft das beste Leben, dass wir leben könnten? Gibt es ein öffentliches Interesse? Und wie ist es definiert?

Auf welcher Basis entscheiden wir? Und auf welcher Basis unsere Politik?

Ich schaue grade diese BBC Dokumentation zum Thema Freiheit, und wie die Gesetzgebung im kalten Krieg auf Basis von Spieltheorie gestaltet wurde ... und wie uns diese Ideen noch heute beeinflussen.

 

Dabei bin ich grade über folgenden Satz gestolpert, bei dem ich realisiert habe: vielleicht ist genau das die Frage, oder das entscheidende Problem unserer Zeit? Der Satz lautete:

 

"Because there was no agreed version on what the public good was, bureaucrats and the politicians skeemend and strategized in their own self interest."

 

Auf Deutsch:

"Da es keine vereinbarte Definition der Gemeinschaftswerte gab, taktierten und handelten Beamte und Politiker in ihren eigenen Interessen."

 

Wenn ihr so das politische Geschehen in Deutschland verfolgt, habt ihr da das Gefühl, die Politik vertritt nicht wirklich eure Interessen?

 

Denkt ihr oft, "wie kann man nur so ein Gesetz verabschieden"?

 

Vielleicht fragt ihr euch, für wen die Politik eigentlich bestimmte Gesetze macht?

 

Mir geht es jedenfalls häufig so, und auch viele meiner Freunde schütteln eigentlich nur den Kopf, wenn es um Politik geht. Man hat fast das Gefühl, es wird häufiger das Gegenteil von dem getan, was für die Allgemeinheit das Beste wäre.

 

Könnte das daran liegen, dass wir als Gesellschaft nicht klar definiert haben, was wir eigentlich wollen? Was unser "public good", unsere unverrückbaren Werte sind? Und das deshalb unsere Politiker meistens auch nicht so genau wissen, was sie tun, oder eben die Interessen von den Gruppen vertreten, die sehr genau wissen, was sie wollen?

 

Eigentlich sollte die Bevölkerung die größte Lobbygruppe sein. Aber meistens fühlt sich ein großer Teil der Menschen abgehängt. 80 % der deutschen fühlen sich von der Politik unverstanden.

 

Mittlerweile findet sehr viel Politik nicht mehr nur auf Landes- oder Bundesebene, sondern bei uns auf EU-Ebene statt, außerdem werden mit Freihandelsabkommen und internationalen Kriegseinsätzen wie in Afghanistan auch weltweit relevante politische Entscheidungen getroffen.

 

Fühlen sich die Menschen in Afghanistan und Pakistan wohl verstanden, wenn US-Drohnen den Himmel kreuzen und Menschen ermorden? Fühlen sich die Menschen auf der Flucht verstanden, wenn sie mit Werbung gegen eine Flucht nach Europa konfrontiert werden? Oder die Menschen in Griechenland, wenn die deutsche Politik plötzlich über die griechischen Renten entscheidet, also Politiker, die man nicht mal beim Namen kennt?

 

Diese Entwicklung konsequent weitergedacht wird es in Zukunft immer mehr Entscheidungen geben, die weltweit angegangen werden müssen. Dabei müssen aber trotzdem alle Menschen auf der schönen Erde "mitgenommen" werden. 

 

Vielleicht gibt es irgendwann eine "Weltregierung", die so große Themen wie den Klimawandel, die zukünftige Energieversorgung und die Frage der Lebensmittelversorgung der Menschen global beantwortet? Vielleicht wäre das auch nicht schlecht. Die Frage ist aber, wie es organisiert wird.

 

Mal angenommen, die BBC Doku hat recht, und der Grund, warum Politiker eigensinnige und egoistische Entscheidungen treffen liegt darin, dass wir keine klar definierten unverrückbaren Werte haben. Haben wir solche? Und schaffen wir es, solche Werte nicht nur für unser Land, sondern, in die Zukunft gedacht für die ganze Welt aufzustellen?

 

In einem Buch über künstliche Intelligenz schreibt Nick Bostrom zu diesem Thema von einem kohärenten extrapolierten Willen. Das soll der Wille der gesamten Menschheit, also die Summe der unverrückbaren Werte aller Menschen sein. Dieser Wille soll sicherstellen, dass eine künstliche Intelligenz, die als Weltregierung agiert, auch die Interessen aller Menschen gleichermaßen berücksichtigt.

 

Aber wie erhalten wir diese Werte? Haben wir sie vielleicht schon in unseren Händen?

 

Hier kommt ganz kurz die Idee, derentwegen dieser Eintrag auch mit "Idee" getagt ist, ins Spiel. Eine Webseite wäre gut, die jeden Menschen auf der Welt fragt, was für ihn das wichtigste ist auf der Welt. Von mir aus www.themostimportantthingintheworld.com

 

Dort könnte man zum Beispiel ein Jahr, oder zehn Jahre lang versuchen, möglichst jeden Menschen zu befragen, was sein wichtigster Wert ist. Und dann würde man die internationale und nationale Gesetzgebung daran ausrichten. 

 

Aber vielleicht finden wir auch jetzt schon heraus, was die global gültigen Werte der Menschlichkeit sind.

 

Beim nachdenken darüber kamen mir zwei Ansätze sinnvoll vor.

Einerseits haben praktisch alle weisen Menschen dieser Erde, von Bhudda über Jesus über Ghandi und den Dalai Lama und Albert Einstein, um nur ein paar zu nennen, zum Thema "gutes Leben" dasselbe gesagt:

 

Was du willst, das man dir tut, das tue auch anderen.

 

Das ist natürlich die positiv formulierte goldene Regel und eine Art Vorform von Kants kategorischem Imperativ. Aber im Grunde ist es so kurz und knapp wie möglich die beste Regel und der beste Wert für gutes Leben auf der Welt.

 

Ein anderer, ebenfalls sehr guter Anhaltspunkt für etwas, dass wir alle wollen, und das deshalb die Grundlage aller politischen Entscheidungen sein solle ist die 

 

Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte

 

Heute werde ich sie hier nur einfach zitieren. In einem weiteren Beitrag will ich dann mal zu den einzelnen Punkten überlegen, in wie weit wir diese denn auch tatsächlich einhalten.


Artikel 1

Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren. Sie sind mit Vernunft und Gewissen begabt und sollen einander im Geiste der Brüderlichkeit begegnen.


Artikel 2

Jeder hat Anspruch auf alle in dieser Erklärung verkündeten Rechte und Freiheiten, ohne irgendeinen Unterschied, etwa nach Rasse, Hautfarbe, Geschlecht, Sprache, Religion, politischer oder sonstiger Anschauung, nationaler oder sozialer Herkunft, Vermögen, Geburt oder sonstigem Stand.

Des weiteren darf kein Unterschied gemacht werden auf Grund der politischen, rechtlichen oder internationalen Stellung des Landes oder Gebietes, dem eine Person angehört, gleichgültig ob dieses unabhängig ist, unter Treuhandschaft steht, keine Selbstregierung besitzt oder sonst in seiner Souveränität eingeschränkt ist.


Artikel 3

Jeder hat das Recht auf Leben, Freiheit und Sicherheit der Person.


Artikel 4

Niemand darf in Sklaverei oder Leibeigenschaft gehalten werden; Sklaverei und Sklavenhandel in allen ihren Formen sind verboten.


Artikel 5

Niemand darf der Folter oder grausamer, unmenschlicher oder erniedrigender Behandlung oder Strafe unterworfen werden.


Artikel 6

Jeder hat das Recht, überall als rechtsfähig anerkannt zu werden.


Artikel 7

Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich und haben ohne Unterschied Anspruch auf gleichen Schutz durch das Gesetz. Alle haben Anspruch auf gleichen Schutz gegen jede Diskriminierung, die gegen diese Erklärung verstößt, und gegen jede Aufhetzung zu einer derartigen Diskriminierung.


Artikel 8

Jeder hat Anspruch auf einen wirksamen Rechtsbehelf bei den zuständigen innerstaatlichen Gerichten gegen Handlungen, durch die seine ihm nach der Verfassung oder nach dem Gesetz zustehenden Grundrechte verletzt werden.


Artikel 9

Niemand darf willkürlich festgenommen, in Haft gehalten oder des Landes verwiesen werden.


Artikel 10

Jeder hat bei der Feststellung seiner Rechte und Pflichten sowie bei einer gegen ihn erhobenen strafrechtlichen Beschuldigung in voller Gleichheit Anspruch auf ein gerechtes und öffentliches Verfahren vor einem unabhängigen und unparteiischen Gericht.


Artikel 11

1. Jeder, der einer strafbaren Handlung beschuldigt wird, hat das Recht, als unschuldig zu gelten, solange seine Schuld nicht in einem öffentlichen Verfahren, in dem er alle für seine Verteidigung notwendigen Garantien gehabt hat, gemäß dem Gesetz nachgewiesen ist.

2. Niemand darf wegen einer Handlung oder Unterlassung verurteilt werden, die zur Zeit ihrer Begehung nach innerstaatlichem oder internationalem Recht nicht strafbar war. Ebenso darf keine schwerere Strafe als die zum Zeitpunkt der Begehung der strafbaren Handlung angedrohte Strafe verhängt werden.


Artikel 12

Niemand darf willkürlichen Eingriffen in sein Privatleben, seine Familie, seine Wohnung und seinen Schriftverkehr oder Beeinträchtigungen seiner Ehre und seines Rufes ausgesetzt werden. Jeder hat Anspruch auf rechtlichen Schutz gegen solche Eingriffe oder Beeinträchtigungen.


Artikel 13

1. Jeder hat das Recht, sich innerhalb eines Staates frei zu bewegen und seinen Aufenthaltsort frei zu wählen.

2. Jeder hat das Recht, jedes Land, einschließlich seines eigenen, zu verlassen und in sein Land zurückzukehren.

Artikel 14

1. Jeder hat das Recht, in anderen Ländern vor Verfolgung Asyl zu suchen und zu genießen.

2. Dieses Recht kann nicht in Anspruch genommen werden im Falle einer Strafverfolgung, die tatsächlich auf Grund von Verbrechen nichtpolitischer Art oder auf Grund von Handlungen erfolgt, die gegen die Ziele und Grundsätze der Vereinten Nationen verstoßen.


Artikel 15

1. Jeder hat das Recht auf eine Staatsangehörigkeit.

2. Niemandem darf seine Staatsangehörigkeit willkürlich entzogen noch das Recht versagt werden, seine Staatsangehörigkeit zu wechseln.


Artikel 16

1. Heiratsfähige Männer und Frauen haben ohne jede Beschränkung auf Grund der Rasse, der Staatsangehörigkeit oder der Religion das Recht, zu heiraten und eine Familie zu gründen. Sie haben bei der Eheschließung, während der Ehe und bei deren Auflösung gleiche Rechte.

2. Eine Ehe darf nur bei freier und uneingeschränkter Willenseinigung der künftigen Ehegatten geschlossen werden.

3. Die Familie ist die natürliche Grundeinheit der Gesellschaft und hat Anspruch auf Schutz durch Gesellschaft und Staat.


Artikel 17

1. Jeder hat das Recht, sowohl allein als auch in Gemeinschaft mit anderen Eigentum innezuhaben.

2. Niemand darf willkürlich seines Eigentums beraubt werden.


Artikel 18

Jeder hat das Recht auf Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit; dieses Recht schließt die Freiheit ein, seine Religion oder seine Weltanschauung zu wechseln, sowie die Freiheit, seine Religion oder seine Weltanschauung allein oder in Gemeinschaft mit anderen, öffentlich oder privat durch Lehre, Ausübung, Gottesdienst und Kulthandlungen zu bekennen.


Artikel 19

Jeder hat das Recht auf Meinungsfreiheit und freie Meinungsäußerung; dieses Recht schließt die Freiheit ein, Meinungen ungehindert anzuhängen sowie über Medien jeder Art und ohne Rücksicht auf Grenzen Informationen und Gedankengut zu suchen, zu empfangen und zu verbreiten.


Artikel 20

1. Alle Menschen haben das Recht, sich friedlich zu versammeln und zu Vereinigungen zusammenzuschließen.

2. Niemand darf gezwungen werden, einer Vereinigung anzugehören.


Artikel 21

1. Jeder hat das Recht, an der Gestaltung der öffentlichen Angelegenheiten seines Landes unmittelbar oder durch frei gewählte Vertreter mitzuwirken.

2. Jeder hat das Recht auf gleichen Zugang zu öffentlichen Ämtern in seinem Lande.

3. Der Wille des Volkes bildet die Grundlage für die Autorität der öffentlichen Gewalt; dieser Wille muß durch regelmäßige, unverfälschte, allgemeine und gleiche Wahlen mit geheimer Stimmabgabe oder einem gleichwertigen freien Wahlverfahren zum Ausdruck kommen.


Artikel 22

Jeder hat als Mitglied der Gesellschaft das Recht auf soziale Sicherheit und Anspruch darauf, durch innerstaatliche Maßnahmen und internationale Zusammenarbeit sowie unter Berücksichtigung der Organisation und der Mittel jedes Staates in den Genuß der wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Rechte zu gelangen, die für seine Würde und die freie Entwicklung seiner Persönlichkeit unentbehrlich sind.


Artikel 23

1. Jeder hat das Recht auf Arbeit, auf freie Berufswahl, auf gerechte und befriedigende Arbeitsbedingungen sowie auf Schutz vor Arbeitslosigkeit.

2. Jeder, ohne Unterschied, hat das Recht auf gleichen Lohn für gleiche Arbeit.

3. Jeder, der arbeitet, hat das Recht auf gerechte und befriedigende Entlohnung, die ihm und seiner Familie eine der menschlichen Würde entsprechende Existenz sichert, gegebenenfalls ergänzt durch andere soziale Schutzmaßnahmen.

4. Jeder hat das Recht, zum Schutze seiner Interessen Gewerkschaften zu bilden und solchen beizutreten.


Artikel 24

Jeder hat das Recht auf Erholung und Freizeit und insbesondere auf eine vernünftige Begrenzung der Arbeitszeit und regelmäßigen bezahlten Urlaub.


Artikel 25

1. Jeder hat das Recht auf einen Lebensstandard, der seine und seiner Familie Gesundheit und Wohl gewährleistet, einschließlich Nahrung, Kleidung, Wohnung, ärztliche Versorgung und notwendige soziale Leistungen, sowie das Recht auf Sicherheit im Falle von Arbeitslosigkeit, Krankheit, Invalidität oder Verwitwung, im Alter sowie bei anderweitigem Verlust seiner Unterhaltsmittel durch unverschuldete Umstände.

2. Mütter und Kinder haben Anspruch auf besondere Fürsorge und Unterstützung. Alle Kinder, eheliche wie außereheliche, genießen den gleichen sozialen Schutz.


Artikel 26

1. Jeder hat das Recht auf Bildung. Die Bildung ist unentgeltlich, zum mindesten der Grundschulunterricht und die grundlegende Bildung. Der Grundschulunterricht ist obligatorisch. Fach- und Berufsschulunterricht müssen allgemein verfügbar gemacht werden, und der Hochschulunterricht muß allen gleichermaßen entsprechend ihren Fähigkeiten offenstehen.

2. Die Bildung muß auf die volle Entfaltung der menschlichen Persönlichkeit und auf die Stärkung der Achtung vor den Menschenrechten und Grundfreiheiten gerichtet sein. Sie muß zu Verständnis, Toleranz und Freundschaft zwischen allen Nationen und allen rassischen oder religiösen Gruppen beitragen und der Tätigkeit der Vereinten Nationen für die Wahrung des Friedens förderlich sein.

3. Die Eltern haben ein vorrangiges Recht, die Art der Bildung zu wählen, die ihren Kindern zuteil werden soll.


Artikel 27

1. Jeder hat das Recht, am kulturellen Leben der Gemeinschaft frei teilzunehmen, sich an den Künsten zu erfreuen und am wissenschaftlichen Fortschritt und dessen Errungenschaften teilzuhaben.

2. Jeder hat das Recht auf Schutz der geistigen und materiellen Interessen, die ihm als Urheber von Werken der Wissenschaft, Literatur oder Kunst erwachsen.


Artikel 28

Jeder hat Anspruch auf eine soziale und internationale Ordnung, in der die in dieser Erklärung verkündeten Rechte und Freiheiten voll verwirklicht werden können.


Artikel 29

1. Jeder hat Pflichten gegenüber der Gemeinschaft, in der allein die freie und volle Entfaltung seiner Persönlichkeit möglich ist.

2. Jeder ist bei der Ausübung seiner Rechte und Freiheiten nur den Beschränkungen unterworfen, die das Gesetz ausschließlich zu dem Zweck vorsieht, die Anerkennung und Achtung der Rechte und Freiheiten anderer zu sichern und den gerechten Anforderungen der Moral, der öffentlichen Ordnung und des allgemeinen Wohles in einer demokratischen Gesellschaft zu genügen.

3. Diese Rechte und Freiheiten dürfen in keinem Fall im Widerspruch zu den Zielen und Grundsätzen der Vereinten Nationen ausgeübt werden.


Artikel 30

Keine Bestimmung dieser Erklärung darf dahin ausgelegt werden, daß sie für einen Staat, eine Gruppe oder eine Person irgendein Recht begründet, eine Tätigkeit auszuüben oder eine Handlung zu begehen, welche die Beseitigung der in dieser Erklärung verkündeten Rechte und Freiheiten zum Ziel hat.

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Kommentare: 5
  • #1

    Susanne (Donnerstag, 24 September 2015 22:29)

    Ich finde diese 30 Artikel sehr umfassend, richtig und klug erdacht. Auf dieser Grundlage kann man doch leben.

  • #2

    Philipp (Donnerstag, 24 September 2015 22:46)

    Didn't read lol

    Gestatten, Troll.

  • #3

    Adrianne Kierstead (Sonntag, 05 Februar 2017 03:23)


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