Was die Menschen krank macht

Eine Ideologie ist ein Symbolsystem, welches dem Leben einen auf Werten und Überzeugungen basierten Rahmen geben soll.Am Grunde jeder Ideologie liegt also ein Ideal, dass höchste Gut, für dessen Erreichung fast jeder Zweck die Mittel heiligt.

Die aktuelle Ideologie lässt sich wie folgt zusammenfassen:
Geht es der Wirtschaft gut, dann geht es den Menschen gut - Wirtschaftswachstum ist das höchste Gut.

Es ist überhaupt kein Wunder, dass diese ideologische Systematik so viele Menschen zurücklässt in Depressionen, Burn-Out, Angst, beruflicher Stagnation oder im Lager der dauerhaft aussortieren, also Hartz-4 und Armutsrente unter dem von uns selbst definiertem Existenzminimum.

Das Pferd wird von hinten aufgezogen

Es ist ein Kardinalsfehler im systemischen denken, wenn man eine eigentlich sekundäre Zielvariable zum Maßstab für den Gesamterfolg des Systems ist.

In meinem anderem Leben arbeite ich als Energiemanager. Ziel ist es, Einsparpotentiale für Strom und Wärme in Schulen, Büros und Industriegebäuden zu finden.
Ein wichtiger Grundsatz, den ich den Kunden immer wieder klar machen muss ist aber:
Das Energiesparen kann niemals die oberste Zielsetzung werden.
Denn es ist klar, der enerigesparendste Betrieb ist der, in dem gar kein Betrieb stattfindet.

Überträgt man diesen Schluss auf unsere gesellschaftliche Ideologie wird klar: keine Gesellschaft kann ohne zufriedene Menschen (lange und nachhaltig) existieren.
Zufriedenheit der Menschen ist aber nicht einmal Bestandteil unseres Gesellschafts- und Wirtschaftssystems. Das einzige maßgebliche Ziel aller Parteien (außer der Linken) ist Wirtschaftswachstum. Die Menschen spielen dabei keine Rolle.

Bedeutsam sein

Nichts ist unbefriedigender für Menschen, als belanglos zu sein.
Das wird aber zwangsläufig einen großen Teil der Menschen in einer Gesellschaft treffen, deren einziges Ziel es ist, permanentes Wirtschaftswachstum zu generieren und zu ermöglichen. In einem ideologischen System des Wirtschaftswachstums muss die persönliche Freiheit immer weiter eingeschränkt, die Arbeit immer weniger Wert werden, immer mehr konsumiert und entsprechend immer mehr "Zeug" produziert und auch weggeschmissen werden.
Wir machen uns zu den Sklaven unseres Systems.

Der erste und wichtigste Ansatz einer Systemänderung wäre, sich den widersprüchlichen Fehler im Systemaufbau klarzumachen.
Hier geht es auch nicht um Wirtschaftsablehnung. Die Unternehmer und Ökonomen sollten sich vielmehr klar machen, dass ohne eine Veränderung unsere Gesellschaft immer stärker auf ein Unzufriedenheitsfiasko zuläuft, dessen Frust sich bestenfalls in einer entsprechenden Regierung niederschlägt.

Schlimmstenfalls zerbricht die Gesellschaft, und mit ihr alle Errungenschaften.

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